Ein detaillierter Überblick zu Grey Resin V4.1, Tough 1500 V2 und True Cast Resin. Eine Analyse der Eigenschaften und ihr direkter Einfluss auf die Qualität von Prototypen, Funktionsteilen und Gussmodellen

Vor Kurzem veranstaltete Center 3D Print ein technisches Webinar, das der neuen Generation der Ingenieurharze von Formlabs gewidmet war. In der Welt der additiven Fertigung ist die Wahl des richtigen Materials ein ebenso kritischer Schritt wie die 3D-Modellierung selbst oder die Konfiguration des Druckers. Oft hängt es gerade von den Eigenschaften des Photopolymers ab, ob ein Prototyp seine Aufgabe erfüllt: Ob er funktionale Tests besteht, ob er visuell objektiv bewertet werden kann oder ob er sich in ein perfektes Metallgussteil verwandeln lässt.


Ein detaillierter Überblick zu Grey Resin V4.1, Tough 1500 V2 und True Cast Resin


Das Ziel unseres Überblicks war es nicht, bloße Spezifikationen aufzulisten, sondern Ingenieuren, Designern und Gießereifachleuten ein klares technisches Entscheidungsinstrument für die Materialwahl bei konkreten Aufgaben an die Hand zu geben. Im Fokus standen drei Schlüsselharze, von denen jedes eine spezifische Nische in F&E- und Produktionsprozessen abdeckt.


1. Grey Resin V4.1: Wenn visuelle Präzision Priorität hat

Die erste Aufgabe eines jeden Prototyps ist es, eine objektive Bewertung von Design und Ergonomie zu ermöglichen. Herkömmliche glänzende Photopolymere stellen hierbei oft ein Problem dar: Sie reflektieren das Licht, betonen dadurch die Schichtlinien des Drucks und verzerren die Wahrnehmung der Form.


Grey Resin V4.1: Wenn visuelle Präzision Priorität hat


Grey Resin V4.1 löst dieses Problem durch eine matte Oberfläche, die keine ästhetische, sondern eine technische Lösung darstellt. Sie streut das Licht diffus und neutralisiert so die visuelle Wahrnehmung der Schichten. Dies ermöglicht ein monolithisches Bauteil, dessen Erscheinungsbild einem im Spritzgussverfahren hergestellten Teil maximal nahekommt.

Während des Webinars haben wir auch ein entscheidendes Update der Version V4.1 im Vergleich zu V4 hervorgehoben: die erhöhte Schlagzähigkeit. In der Praxis bedeutet dies, dass der Prototyp weniger spröde ist und Handhabungen während der Nachbearbeitung oder Demonstration besser standhält, was das Risiko einer Beschädigung vor der Präsentation deutlich senkt.


2. Tough 1500 V2: Funktionstests, analog zu Polypropylen (PP)

Wenn eine visuelle Bewertung nicht ausreicht und der Prototyp „arbeiten“ muss, kommen Ingenieurharze ins Spiel. Tough 1500 V2 ist ein Material, das entwickelt wurde, um die Eigenschaften eines der am weitesten verbreiteten Industriekunststoffe zu imitieren: Polypropylen (PP).


Tough 1500 V2: Funktionstests, analog zu Polypropylen (PP)


Sein Elastizitätsmodul (ca. 1500 MPa) sorgt für eine Balance aus Steifigkeit und Flexibilität. Dies erlaubt Ingenieuren, das Verhalten von Bauteilen – beispielsweise die Funktion von Schnappverschlüssen, Scharnieren oder Befestigungen – unter realitätsnahen Bedingungen zu testen. Ein Prototyp aus Tough 1500 V2 kann verformt werden und kehrt in seine ursprüngliche Form zurück, ohne zu brechen.

Das Update auf V2, insbesondere in Kombination mit der Form 4-Plattform, zeigt eine deutlich höhere Reißfestigkeit. Dies ermöglicht die Herstellung zuverlässiger Fertigungshilfsmittel (Vorrichtungen und Lehren) sowie funktionaler Baugruppen für reale Feldversuche.


3. True Cast Resin: Technische Reinheit für makellosen Guss

Der dritte Teil des Webinars widmete sich einer hochspezialisierten Aufgabe: dem Feinguss nach dem Wachsausschmelzverfahren, der für die Schmuckherstellung und die Dentalbranche von kritischer Bedeutung ist.


True Cast Resin: Technische Reinheit für makellosen Guss


Hier lässt sich der entscheidende Vorteil von True Cast Resin auf eine einzige Zahl reduzieren: ein Restaschegehalt von nicht mehr als 0,03 %.

In der Praxis bedeutet dies ein vollständiges, sauberes Ausbrennen des Modells aus der Gussform ohne Bildung von Ruß oder Asche. Genau diese Rückstände sind bei nicht spezialisierten Harzen die Hauptursache für Oberflächendefekte (Poren, Lunker) am fertigen Metallgussteil. Die Verwendung von True Cast Resin minimiert – und eliminiert oft vollständig – die Notwendigkeit einer aufwendigen manuellen Nachbearbeitung des Metalls.

Zusätzliche Vorteile sind die hohe Auflösung zur Wiedergabe scharfer Kanten und Mikrotexturen sowie die Dimensionsstabilität (Maßhaltigkeit), die eine exakte Übereinstimmung des Gussteils mit dem ursprünglichen CAD-Modell garantiert.

Die Wahl des richtigen Materials ist immer ein Kompromiss zwischen mechanischen, thermischen und visuellen Eigenschaften. Das Verständnis der tiefgreifenden technischen Unterschiede zwischen den Harzen ermöglicht es Ingenieuren und Designern, Iterationen zu beschleunigen, die Prototyping-Kosten zu senken und die Qualität des Endprodukts zu steigern.


Die vollständige Aufzeichnung des Webinars steht zur Ansicht bereit



Für diejenigen, die nicht live dabei sein konnten oder die technischen Details noch einmal Revue passieren lassen möchten, haben wir eine vollständige Aufzeichnung des Webinars vorbereitet. Dies ermöglicht es Ihnen, noch tiefer in die technischen Nuancen jedes Materials einzutauchen und Anwendungsbeispiele aus der Praxis zu sehen.